


Das landesweite Kompensationsverzeichnis Niedersachsen
Wer ein Stück Natur versiegelt, muss das anderswo ausgleichen. So schreibt es das Gesetz vor. Wird ein Parkplatz gebaut oder ein Gewerbegebiet erschlossen, entstehen daraus Eingriffe in die Natur, die durch sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert werden müssen: Aufforstungen, Renaturierungen oder die Nutzung von Ökopools. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein fest verankerter Teil des deutschen Planungsrechts.
In Niedersachsen führte bisher jede untere Naturschutzbehörde ihre eigenen Akten, in unterschiedlichen Formaten und auf unterschiedlichem Stand. Abseits der rechtlichen Vorgaben fehlte eine gemeinsame digitale Grundlage, und einen landesweiten Überblick gab es nicht. Das sollte sich ändern.

Was ist zu tun?
Das Umweltministerium Niedersachsen wollte ein landesweites, einheitliches System. Ein digitales Kompensationsverzeichnis, das den gesamten Prozess von der Erfassung eines Eingriffs bis zur öffentlich zugänglichen Karte abbildet. Ein System, dass alle Behörden auf eine gemeinsame Datenbasis bringt. Bevor es an die Entwicklung ging, stand zunächst eine ganz andere Aufgabe an. Wir wurden damit beauftragt, zu prüfen, ob es überhaupt eine geeignete Grundlage gibt, auf der man aufbauen kann. In Rheinland-Pfalz existiert mit Konova bereits eine Open-Source-Lösung für genau diesen Zweck. Das Ministerium hatte im Vorfeld bereits eine Bedarfsanalyse durchgeführt und einen konkreten Katalog an notwendigen Anpassungen definiert, hauptsächlich fachliche und rechtliche Anforderungen, die sich aus den niedersächsischen Rahmenbedingungen ergeben.
Unsere Aufgabe war zu bewerten, ob Konova als technische Grundlage dafür geeignet ist. Wir haben die Software auf Herz und Nieren geprüft. Fachlich, technisch, auf Sicherheitslücken und mit einem Blick auf Barrierefreiheit und UX. Dabei haben wir auch Schwachstellen identifiziert und diese direkt an das Entwicklerteam in Rheinland-Pfalz kommuniziert, einige davon wurden noch während unserer Analyse behoben. Unser Fazit: Ja, Konova ist solide genug, um darauf aufzubauen. Bei einem überschaubaren Anpassungsumfang, wie er hier vorlag, ist eine Weiterentwicklung der wirtschaftlichere Weg. Eine Neuentwicklung hätte sich erst gelohnt, wenn weitreichendere Änderungen gewünscht gewesen wären. Der Kunde folgte dieser Einschätzung und hat uns mit der Umsetzung beauftragt.
Und das haben wir gebaut
Die technische Basis von Konova, Django und Python, containerisiert mit Docker, ist erhalten geblieben. Der Rest wurde grundlegend angepasst. Niedersachsen hat eigene Kartendienste, eigene Behördenstrukturen und eigene Anforderungen an die Nutzerverwaltung. All das musste integriert werden.
Wir haben die niedersächsischen Geodienste eingebunden, darunter Luftbilder, historische Karten und OpenStreetMap, damit Flächen präzise erfasst werden können. Für die Benutzerverwaltung und eine zukunftsfähige Single-Sign-On-Lösung haben wir Keycloak integriert. Weil Niedersachsen kein zentrales System für Behördencodes nutzt, haben wir einen flexiblen Import über Excel-Dateien umgesetzt. Pragmatisch, pflegeleicht und ohne großen technischen Aufwand zentral verwaltbar.
Das visuelle Erscheinungsbild haben wir ebenfalls überarbeitet, ergänzt und an das Corporate Design des Landes Niedersachsen angepasst. Nicht nur, damit es schicker aussieht, sondern weil eine verständliche Oberfläche im Arbeitsalltag wirklich einen Unterschied macht.
Ein besonderes Feature ist dabei spezifisch für Niedersachsen das Nachhalten von Kontrollen. Kompensationsmaßnahmen wie Baumpflanzungen müssen nicht nur einmalig erfasst, sondern über Jahre hinweg auf ihren Erfolg geprüft werden. Die Anwendung macht das nachvollziehbar und hält den Kontrollprozess strukturiert am Laufen.

Die Datenmigration
Ein neues System ist nur so gut wie die Daten, die darin stecken. Die Altdaten aus den Behörden lagen in unterschiedlichsten Formaten vor, teils analog erfasst, teils in verschiedenen digitalen Insellösungen. Wir haben ein Migrationskonzept entwickelt, das die Daten homogenisiert, in ein einheitliches Format überführt und über eine Importschnittstelle in den neuen Datenbestand einspielt. So geht nichts verloren, und der Übergang ist für die Sachbearbeiter so reibungslos wie möglich.