
Eine Kommunal-App für Hameln-Pyrmont
Bürgerservice für die Hosentasche
Einen Führerschein verlängern, sich ummelden oder einen Termin im Bürgeramt vereinbaren kann ganz schön umständlich sein. Lange Warteschleifen am Telefon, unübersichtliche Formulare, und am Ende doch ein Brief per Post. Das muss heute eigentlich nicht mehr so sein.
Verwaltungsprozesse sind komplex, es gibt unzählige Fachverfahren, die sich oft von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, und dahinter stecken Behörden mit gewachsenen Strukturen, Abteilungen und Zuständigkeiten. Die eigentliche Idee war deshalb: Bürgerdienste nicht nur digitalisieren, sondern wirklich vereinfachen, für beide Seiten.
Die Kommunal-App bringt Bürgerdienste dahin, wo die meisten von uns ohnehin schon sind: auf das Smartphone. Bürger stellen Anträge digital, werden Schritt für Schritt durch den Prozess geführt und sehen jederzeit, wie weit ihr Anliegen bearbeitet ist. Auf der anderen Seite entlastet dieselbe App die Verwaltung, macht Abläufe transparenter und erlaubt es, Prozesse flexibel anzupassen, ohne jedes Mal einen großen technischen Aufwand zu betreiben.

Das Ziel
Das Projekt hatte ein klares Ziel. Wir wollen Bürgerkommunikation vereinfachen, ohne dabei Themen wie Datenschutz, IT-Sicherheit oder die Realitäten des Verwaltungsalltags aus dem Blick zu verlieren.
Dafür mussten wir eine Fachdomäne verstehen, in der klar geregelt ist, wer welchen Antrag bearbeiten darf, wie Abteilungen untereinander zusammenhängen und welche Abläufe ein Prozess überhaupt braucht.
Gleichzeitig sollte die Lösung nicht nur von technisch versierten Admins bedient werden können, sondern auch von Sachbearbeitern ohne IT-Hintergrund.
Die Herausforderung
Agile Softwareentwicklung im Kontext öffentlicher Verwaltung bringt dabei ihre ganz eigenen Herausforderungen mit. Vieles läuft dort naturgemäß langsamer. Abstimmungen brauchen mehr Zeit, Zuständigkeiten sind nicht immer auf den ersten Blick klar, und Anforderungen entwickeln sich oft erst im Laufe des Projekts.
Für uns als Team, das schnelle Iterationen und kurze Entscheidungswege gewohnt ist, war das manchmal eine echte Umstellung.
Dazu kam, dass auf der fachlichen Seite nicht immer ein gemeinsames, klar umrissenes Bild davon existierte, wo genau der Schuh drückt.
Und das kann die App
Für die Verwaltung:
Das Herzstück auf der Verwaltungsseite ist das Backoffice mit einem visuellen Prozesseditor. Per Drag & Drop lassen sich einzelne Schritte eines Antrags anlegen, anordnen und miteinander verknüpfen. Das Ergebnis ist ein gerichteter Graph, der den Ablauf eines Prozesses direkt abbildet und auf einen Blick zeigt, wie Schritte zusammenhängen.
Über sogenannte Expressions lässt sich steuern, ob ein Pfad automatisch durchlaufen oder manuell ausgelöst wird. An jedem Schritt kann festgelegt werden, wer dafür zuständig ist, also ob Bürger, ein externer Dienstleister oder ein Sachbearbeiter aktiv werden muss. Formulare können mit unterschiedlichsten Feldtypen aufgebaut werden. Das reicht von einfachen Texteingaben über digitale Unterschriften bis hin zu Passfoto-Uploads. Zahlungsabwicklungen, externe Schnittstellen und individuelle Validierungsregeln lassen sich einfach einbinden. Bestehende Fachverfahren aus anderen Serviceportalen können ebenfalls in die App integriert werden.
Ein Rollen- und Rechtesystem sorgt dafür, dass jeder Sachbearbeiter nur das sieht und bearbeiten kann, was für ihn auch vorgesehen ist. Externe Dienstleister oder Vereine können per Gastzugang eingeladen werden, etwa um Veranstaltungen oder Neuigkeiten eigenständig einzupflegen.


Für Bürgerinnen und Bürger:
Aus Bürgersicht ist die App so gestaltet, dass man nie das Gefühl hat, allein gelassen zu werden. Man wird Schritt für Schritt durch einen Antrag geleitet, kann den Bearbeitungsstand nachverfolgen und wird informiert, wenn noch Dokumente nachgereicht werden müssen.
Darüber hinaus wird die App zur Plattform für das lokale Leben. News und Veranstaltungen der Gemeinde lassen sich personalisiert anzeigen, Push-Benachrichtigungen erinnern an die nächste Müllabfuhr, und eine integrierte Karte zeigt Points of Interest (POI) in der Umgebung.
Wer einen Mangel im Stadtbild entdeckt, wie zum Beispiel eine defekte Straßenlaterne, kann diesen direkt über die Karte melden. Der Antrag landet dann automatisch bei der zuständigen Stelle.
Nutzerdaten können im Profil hinterlegt werden und füllen Antragsformulare automatisch vor, alles verschlüsselt und ohne klassisches Login. Barrierefreiheit war dabei auch immer ein wichtiges Thema. Beispielsweise lassen sich Texte vergrößern oder vorlesen.
Der technische Aufbau
Die Kommunal-App besteht im Kern aus vier Komponenten: der mobilen App, einer Backoffice-Webanwendung, einem Headless CMS für die Inhaltspflege und einem Backend-Server. Ergänzt wird das Ganze durch externe Dienste, etwa für den Import von News und Veranstaltungen.
- Die Mobile App ist in Flutter entwickelt. Für das State Management kommt Riverpod zum Einsatz, die Kartenansicht wird über das Flutter Map Package realisiert.
- Das Backoffice ist eine React-Webanwendung, die über eine GraphQL-Schnittstelle mit dem Backend kommuniziert. Hier arbeiten Sachbearbeiter und Admins täglich.
- Die Inhaltspflege basiert auf Payload CMS, einem Headless CMS, das Inhalte für die App bereitstellt und dabei selbst Daten aus Drittsystemen importiert. Es stellt sowohl eine REST- als auch eine GraphQL-API bereit.
- Das Backend ist ein .NET-Projekt in C#, das Entity Framework als ORM nutzt. Die Kommunikation läuft über GraphQL, umgesetzt mit HotChocolate im Implementation-first-Ansatz. Per GraphQL Schema Stitching wird die API des CMS nahtlos ins Backend eingebunden.
- Als Datenbanken kommen PostgreSQL für die Prozessverwaltung und MongoDB für die dokumentenbasierte Inhaltspflege zum Einsatz.
