COUNTS: Treibhausgasbilanz für Hochschulen


Wie viel CO₂ verursacht eigentlich unsere Hochschule?
Wer an einer Hochschule diese Frage beantworten soll, steht erst mal vor einem Problem. Die Zahlen stecken in dutzenden Excel-Tabellen, verteilt über verschiedene Abteilungen. Jede Tabelle pflegt jemand anderes, und jeder rechnet ein bisschen anders. Am Ende lässt sich kaum etwas vergleichen und oft auch nicht nachvollziehen.
Hier kommt COUNTS ins Spiel. Angestoßen hat es das Verbundprojekt HochNiNa, gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Unter der Projektleitung der Universität Oldenburg haben sich 12 der 20 niedersächsischen Hochschulen in staatlicher Verantwortung zusammengetan. Gemeinsam haben sie einen einheitlichen Rahmen für ihre Bilanzen erarbeitet. Daraus ist COUNTS entstanden, ein Open-Source-Tool im Browser, mit dem die Hochschulen ihre Treibhausgasemissionen erfassen und auswerten.
Die Anwendung haben wir gemeinsam mit dem Projektteam konzipiert, gestaltet und entwickelt.
Das Ziel und die Stolpersteine
Die Hochschulen wollten einen verlässlichen und nachvollziehbaren Ort für alle ihre Treibhausgasemissionen. Und zwar für viele Hochschulen gleichzeitig, damit sie ihre Bilanzen vergleichen und später auch miteinander teilen können.
Gegenüber Excel ist das ein großer Schritt. COUNTS rechnet automatisch, alle arbeiten nach denselben Regeln, frühere Jahre bleiben erhalten und der Vergleich mit anderen ist gleich eingebaut. In einer Tabellenkalkulation wäre das mühsam und kaum anschaulich.
Unterwegs hat sich die Berechnungsmethode mehrmals geändert. Bei einem Projekt, das viele Hochschulen gemeinsam tragen, ist das ganz normal. Uns hat es viel Beweglichkeit abverlangt. Und es hat uns wieder gezeigt, wie wichtig Software ist, die mit ihren Anforderungen wachsen kann.
Aus einer Sache haben wir besonders viel gelernt. Zu Beginn stand die Tabelle mit den Emissionsfaktoren fest. Darauf haben wir früh unsere Architektur aufgebaut.
Später änderte sich die Tabelle dann doch. Also mussten wir die neuen Werte von Hand aus der Tabelle in den Code übertragen. Das war viel Arbeit, die sich im Nachhinein vielleicht hätte vermeiden lassen. Seitdem prüfen wir solche Annahmen noch kritischer.
Offen war auch die Frage nach den Rollen und Rechten. Nehmen wir ein fertiges Werkzeug oder bauen wir etwas Eigenes? Wir haben uns für eine eigene Lösung entschieden. Damit können wir Nutzer und Organisationen so abbilden, wie die Hochschulen es brauchen. Funktionen, die keiner nutzt, schleppt sie gar nicht erst mit.
Die Anwendung auf einen Blick
Jede Hochschule verwaltet sich in COUNTS selbst. Sie legt ihre Nutzerkonten an und vergibt Rollen. Bilanzen lassen sich rückwirkend ab 2015 für jedes Jahr anlegen.
Für die Emissionsfaktoren gibt es zwei Ebenen. Globale Werte gelten als Grundlage für alle. Wer für einen bestimmten Zweck eigene Werte hat, hinterlegt sie lokal. Die Bilanz lässt sich jederzeit zwischen beiden umschalten.
Besonders praktisch ist die Erfassung von Dienstreisen und Auslandssemestern. Man gibt Start, Ziel und Verkehrsmittel ein und COUNTS rechnet Entfernung und Emissionen selbst aus. Die Ergebnisse zeigt die Anwendung als Balken- und Tortendiagramme, die sich nach Scopes und Kategorien filtern lassen. Bilanzen können mit anderen Hochschulen geteilt und als CSV exportiert werden. Die ganze Anwendung gibt es auf Deutsch und Englisch. Wir sind stolz, dass wir dieses Werkzeug für so viele Hochschulen bauen durften.
Für die Techniker unter uns
Das Backend läuft auf .NET 9, das Frontend auf Next.js und React. Beide sprechen über eine GraphQL-Schnittstelle miteinander. Entfernungen berechnen wir über die DistanceMatrix-API. Beim Rechtesystem haben wir Keycloak in Betracht gezogen und uns dann für eine Eigenentwicklung entschieden. In der lokalen Entwicklung nutzen wir .NET Aspire. Damit definieren, starten und überwachen wir alle Services an einer Stelle, und das hilft sehr, wenn die Zahl der Microservices wächst.
COUNTS ist Open Source und bewusst offen für Weiterentwicklung von außen. So kann das Tool auch nach dem Förderprojekt weiterleben und irgendwann auch Hochschulen außerhalb Niedersachsens helfen.